Alte Weisheit und moderne Wissenschaft

Was die Hirnforschung über Meditation herausgefunden hat und wie die alten Lehren so verstanden werden können. Was Meditierende über ihr Gehirn und ihr unbewusstes Denken wissen sollten. Wie sich “Übernatürliches” mit spannender Wissenschaft erklärt und damit überflüssig wird. Geschrieben nach über 30 Jahren Meditation, von einem Naturwissenschafter, in klarer Sprache, jeder kann es verstehen.

 

Die Meister der Meditation erforschen seit Jahrtausenden den Menschen. Sie haben Gesetzmäßigkeiten entdeckt und tiefe Einsichten in die menschliche Psyche erlangt. Meditation sucht Wissen und Erfahrung, den Alltag, den realen Menschen und die reale Welt. Unwissen, Irrtum und Be- gierden sind dabei die Hindernisse, die auf Abwege in okkulte Vorstellungen und die Welt der Illusionen führen. Die Meister weisen andere Wege. Dschuang Dsi (365–290 v. Chr.) ist ein Stammvater des chinesischen Daoismus. Er überliefert dieses Gleichnis mit der typisch daoistischen Ironie:

„Es war einmal ein Mann, der lernte das Drachentöten und gab sein ganzes Vermögen dafür hin. Nach drei Jahren hatte er die Fertigkeit erlangt, aber er fand keine Gelegenheit, seine Kunst anzuwenden.“ (Dschuang Dsi, Buch XXVII.10)

Bisher waren Meditierende auf Erfahrung angewiesen. Doch gerade unsere Zeit erlebt einen Durchbruch der Wis- senschaft vom menschlichen Gehirn, eine Revolution, die es niemals zuvor gab. Erstmals seit 2 500 Jahren beginnen wir die biologischen Hintergründe zu verstehen, die Praktiken der Meditation nutzen, trainieren und verändern. Das Gehirn wurde dramatisch unterschätzt, seine Anpassungsfähigkeit bis ins hohe Alter und die scheinbar übernatür- lichen Leistungen, zu denen es in der Lage ist. Wir können heute sogar über „Gedankenlesen“, „Seelenwanderung“ oder „Lebensenergie“ des Menschen nachdenken und müssen dafür das Haus der Wissenschaft nicht mehr verlassen. Wir nden verblüffende Erklärungen im Menschen selbst.

Damit können Meditierende ihre Kunst auch neu bewer- ten. Meditation ist ein Weg zur bewussten Umgestaltung des Gehirns. Die spirituelle Welt der Meditation wird mit der modernen Hirnforschung nicht kleiner oder „materialistisch“. Sie wird größer, aber das „Drachentöten“ ist nun leichter zu vermeiden. Deshalb gibt es dieses Buch. Meditation spielt im Gehirn. Meditierende müssen es genauer kennen.

– Vorwort von Heinz Hilbrecht